„Fake-News“ – eine ernst zu nehmende Bedrohung?

Unter dem Thema „Fake-News“ startete am Mittwoch, 24.05.2017 um 17:45 Uhr die zweite Ringvorlesung des Fördervereins an der Hochschule der Medien (HdM). Da Falschmeldungen mittlerweile in aller Munde sind, wurden diese von Experten aus verschiedenen Perspektiven der Politik, des Rechts, des Journalismus und der Technologie beleuchtet.

„Fake-News sind ein altes journalistisches Phänomen und auch ein großes Problem“, so Prof. Dr. Bader, Dozentin für Online Journalismus an der HdM, die die berichterstattende Seite an diesem Abend vertrat. Diese, laut Bader, frei erfunden Meldungen hätte man früher in Anlehnung an den Krim-Krieg „Tataren“ genannt.
Seitdem habe sich aber viel verändert. Zum einen die Verbreitungswege der Nachrichten, die bei freien Journalisten nun auf einzelner Beitragsbasis erfolgten. Das heißt, dass überwiegend einzelne kurze Beiträge zu einem dominanten Thema veröffentlicht würden und der Trend weg von einer übergreifenden Berichterstattung gehe.

Fake-News Produzenten haben es heutzutage leichter

Ebenso ändere sich die Finanzierung des Journalismus sowie die Beitragsentstehung. Aufgrund der einzeln publizierten Meldungen müssten sich freie Journalisten selbst um deren Verkauf bemühen. Wo früher Gefahr bestand, einen Imageschaden durch einzelne Falschnachrichten zu erleiden, hätten Betreiber von Fake-News gleich mehrere Fake-News-Seiten. Sie sind somit weniger verwundbar, falls eine dieser Seiten nicht mehr geklickt würde. Um den qualitativ wahrheitsfundierten Journalismus also am Leben zu erhalten, müssten sich Redakteure den Herausforderungen der Fake-News aktiv stellen, um neue Fähigkeiten im Umgang mit diesen zu erwerben. Darüber hinaus sei ein Verständnis für neue Faktchecker-Tools ein absolutes Muss.

Der Journalismus steht jedoch bei seiner „Bekämpfung“ der Fake-News nicht alleine da. Eine helfende Hand reicht hier die Technik. Prof. Dr. Kamps, Dozent für Kommunikations-wissenschaft an der HdM und Moderator der Veranstaltung kündigte deshalb mit Freude Hervais Clemence Simo-Fhom  an.

Denn der Informatiker vom Fraunhofer Institut für sichere Informationstechnologie aus Darmstadt beleuchtete die technische Perspektive auf die Bekämpfung von Fake-News. Ihm und seinen Kollegen sei es nicht wichtig zu wissen, welche Falschnachrichten im Umlauf seien und wer diese verbreitet . Vielmehr sei es von Interesse, dass Fake-News manipulative Informationen sind, welche über die unterschiedlichsten Plattformen geteilt werden. Im nächsten Schritt sei es besonders wichtig diese Falschmeldungen zu entschlüsseln, um Technologien zur Erkennung von Falschmeldungen vorantreiben zu können. Simo Fhom sagte abschließend: „Wir stehen allerdings noch am Anfang des Tunnels, es gibt noch viel zu tun!“.

Bußgelder oder Verbote für Fake-News wenig sinnvoll

Mit der Fake-Kampagne „CDU mit Gefühl“ leitete Prof. Dr. Keber, Dozent für Medienrecht und Medienpolitik an der HdM, den rechtlichen Teil der Vorlesung ein. Er berichtete kurz über die Einzelheiten der Kampagne, welche sich im Nachhinein als Fake-Kampagne erwies und merkte an, dass es auch in Zukunft sehr schwer werden wird, hierzu rechtliche Maßnahmen zu ergreifen. Er kam zu dem Ergebnis, dass Verbote mit Bußgeldern zu stark in die Grundrechte eingreifen würden. Sein Ansatz lautet: „Wichtig sind eine regelmäßige Selbstregulierung, die Stärkung der Digitalkompetenzen im Kindesalter, und das Fortbestehen der starken, öffentlich-rechtlichen Medien.“

Erkennung des Wesenskerns

Aus politischer Sicht würde sich Felix Steinbrenner, Leiter der Stabstelle „Demokratie stärken!“ von der Landeszentrale für politische Bildung Stuttgart, wünschen, dass sich die Menschen selbst die Frage stellen, in welcher Gesellschaft sie leben wollten. Er bezog sich hierbei stark auf die Regulierungsansätze von Keber. Diese wären dafür verantwortlich, dass in Zukunft mehr Wert auf die Echtheit von Nachrichten gelegt wird. Durch einen wechselseitigen Austausch der Nutzer, könnten Falschnachrichten dauerhaft bekämpft werden.

Im Anschluss an die Vorträge begann die Diskussionsrunde. Das Phänomen Fake-News warf hierbei viele offene Fragen auf:

Unter anderem wurde gefragt, wie mit „faktenresistenten Rezipienten-Gruppen“ umgegangen wird?
Steinbrenner merkte hier an, dass „Faktenresistenz“ vor allem durch fehlende Bildung entstehe. Er plädierte dafür, bereits im Kindesalter den Unterschied zwischen „wahr und falsch“ ausführlich zu erörtern. Seiner Meinung nach solle vor allem im Gemeinschafts- und Sozialkundeunterricht verstärkt auf das Thema eingegangen werden.

Weiter wurde gefragt, ob Fake-News eher in der rechten oder linken Szene innerhalb Deutschlands vorkommen würden:
„Nach persönlichen Erfahrungswerten gibt es den Einsatz von Falschmeldungen auch auf der linken Seite. Die Rechten sind hierbei aber erfolgreicher“, so Felix Steinbrenner.

Nach der Fragerunde fand ergänzend zum abschließenden Get-together im Foyer der HdM noch eine interaktive Vernissage zum Thema Fake-News statt. Die multimediale Ausstellung behandelte das Thema seit Beginn unserer Zeitrechnung. Denn schon zu Zeiten von Marie-Antoinette und Co. gab es Falschmeldungen. Hierbei konnten die Besucher Bilder ansehen, anhören und sogar anfassen. Mehrere Quizze testeten das eigene Wissen. „Was ist fake und was ist echt?!“, war hier die Frage.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Mitwirkenden für diesen gelungenen Abend und hoffen auf viele weitere spannende Themen.