Bewegtbild – Was bewegt in Zukunft das Bild?

Die Digitalisierung verschonte nichts und niemanden, so auch nicht das Bewegtbild. Über die letzten Jahrzehnte hinweg veränderten sich Techniken, Produktion und auch das Konsumieren von Bewegtbild. Heutzutage wird nicht mehr auf die Primetime im TV gewartet, sondern genetflixt; eigenen Content zu produzieren funktioniert ganz einfach über YouTube und kein Museum ist mehr ohne LED-Display ausgestattet. All diese Veränderungen werfen Fragen auf, denen die Experten unserer 3. Ringvorlesung am 25.01.2018 auf den Grund gegangen sind.

Das Produzieren von Content ist einfacher denn je

Als Moderator leitete Prof. Stephan Ferdinand durch den Abend. Er startete mit einem Fallbeispiel aus der YouTube-Welt: Diie Jule studiert Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien und ist Bloggerin. Ihr Channel dreht sich rund um die Themen Beauty, Lifestyle und Fashion. Dabei ist sie ihr eigener Produzent, für das Erstellen der Videos benötigt sie keine Produktionsfirma, keinen Gatekeeper. Vor den Zeiten von YouTube, Facebook und Co. wäre dies schlicht unmöglich gewesen.

Bewegtbild ist nicht mehr Privileg der klassischen Medien

Dieses Phänomen in den neuen Medien kennt Florian Hager nur zu gut. Er ist Programmgeschäftsführer von funk, dem ARD und ZDF Netzwerk, das seinen Content ausschließlich online über YouTube, Facebook, Snapchat und Co. ausstrahlt und damit eine Zielgruppe von 14 Mio. jungen Menschen ansprechen möchte. Noch vor zwei Jahrzehnten sei der Fernseher Leitmedium gewesen, durch das sich die meisten Rezipienten über diverse Themen wie Erziehung, Bildung und Sport informierten. Nun habe das Fernsehen die Hoheit über das Bewegtbild verloren und die Gewinnung von Informationen geschehe beispielsweise über Tutorials. Mit diesem Trend gehen einige andere Veränderungen einher: So müssen Inhalte im Internet die Aufmerksamkeit der Rezipienten viel schneller auf sich ziehen und der Kreis der Konkurrenten werde durch Influencer und andere User immer größer. Deshalb empfiehlt Hager: Inhalte müssen vor der Marke stehen und die Story vor der Plattform.

KI unterstützt die Produktion von Bewegtbild

Was aber, wenn es sich nicht um 20-minütige Tutorials und Kurzvideos handelt, sondern um richtige Filme? Prof. Boris Michalski, ehemaliger Produzent, weiß, wie wichtig Aufmerksamkeit auch für Spiel- oder Dokumentarfilme ist. Bewegtbild müsse, um erfolgreich zu sein, die Massen erreichen und begeistern. Um der Schnelllebigkeit der Branche gerecht zu werden, die Qualität jedoch nicht zu vernachlässigen, könne Big Data genutzt werden. Die non-lineare Ausstrahlungsform Video on Demand erlaubt schnelleres Feedback der Rezipienten, das wiederum von Algorithmen und künstlicher Intelligenz in kürzester Zeit ausgewertet werden kann. So könne die User Experience laufend analysiert und verbessert werden. Entscheidungen werden beispielsweise bei Netflix zu 70 Prozent auf datenbasierten Analysen getroffen. Dies zeige eine eindeutige Abkehr von Gatekeepern hin zu datenbasierten Systemen. Algorithmen können auch für weitere Wertschöpfungsstufen eines Filmes genutzt werden, wie beispielsweise für Packaging, Pre-, Postproduktion und Marketing. Die Zukunft sieht Prof. Michalski in real time emotional recognition. Hierbei sollen Emotionen des Rezipienten beim Schauen eines Films in Echtzeit erfasst und analysiert und der Film dementsprechend angepasst werden.

Aber wie lässt Realität sich definieren und ist diese begrenzt? Mit genau dieser Frage beschäftigt sich Thomas Hundt, Geschäftsführer von jangled nerves. Erlebnisse entstünden dann, wenn sich Ereignisse durch Verknüpfung mit Emotionen im Gedächtnis fixieren. Seine Agentur nutze dieses Phänomen und hat sich deshalb zur Aufgabe gemacht, Museumsausstellungen, Messestände und Co. erlebbar und interaktiv zu gestalten. Um das Erlebnis der augmented reality durch (Bewegt-) Bilder zu ermöglichen, kommen vor allen Dingen Screens, Virtual Reality Brillen und holographische Displays zum Einsatz. Trotz des großen Anteils der Gamification werden traditionelle Inhalte nicht vernachlässigt, sondern lediglich unterstützt und hervorgehoben.: Thomas Hundt zeigte uns, schon mit der bestehenden Technik scheint die Realität grenzenlos zu sein. Was bringt uns also die Zukunft?

Wir bedanken uns bei den Referenten für ihre Zeit und wertvolle Inhalte und freuen uns auf die nächste Ringvorlesung des Fördervereins!