Overrun – Ein One-Take Kurzfilm

Als Studioproduktion „Interaktive Medien“ gestartet, als betreutes Projekt durchgeführt: der One-Take Kurzfilm „Overrun“ entstand im SS18 im Studiengang Audiovisuelle Medien mit Unterstützung des Studiengangs Medienwirtschaft.

Vier junge Erwachsene überfahren nachts aus Versehen einen Mann und geraten aneinander, weil sie sich uneinig darüber sind, wie sie mit der Situation umgehen sollen.

Die Besonderheit dieses Films liegt in seiner Erzählweise: die Geschichte wird in einer einzigen, ununterbrochenen Aufnahme (bzw. „One-Take“) erzählt. Die aufregende Situation, mit der die Charaktere konfrontiert sind, wirkt durch den fehlenden Schnitt noch realer und dringlicher. Der Zuschauer wird gezwungen den Vorfall in Echtzeit mitzuerleben. Diese Technik wurde bereits in Spielfilmen wie Hitchcock’s Rope (1948, USA), Birdman (2014, USA) und Victoria (2015, DEU) angewendet.

Dabei dient der “One-Take” nicht nur als dramaturgisches Stilmittel, sondern wird aufgrund der unkonventionellen Vorproduktion eines solchen Projekts zu einem klaren Alleinstellungsmerkmal. Für alle beteiligten Abteilungsleiter war eine qualitativ hochwertige Umsetzung, trotz der Umstände, sehr wichtig.

Neben dem offensichtlichen Wegfallen des Schnittes in der Postproduktion, hat sich das Projekt in vielen Aspekten zu der Umsetzung eines generischen Kurzfilmes unterschieden:

Bereits in der Vorbereitung ist der Produktionsaufwand erheblich größer. Durch die entfesselte Kamera und einem horizontalen Drehbereich von 360° war keine konventionelle Lichtsetzung möglich, da sonst die Lampen und Stative in das Bild geraten. Lichtsetzung war aber zwingend notwendig, da bei Nacht gedreht wurde: dafür wurde ein mit Helium gefüllter Leuchtballon auf 8m Höhe eingesetzt, dessen Seil geschickt vom Lichtdepartment hinter den Bäumen versteckt wurde.

Des Weiteren war der Drehzeitraum stark verkürzt, da bei jedem Drehversuch der Film in seiner vollen Länge abgedreht wird. Dafür waren die zwei Probewochenenden vor dem Dreh umso wichtiger:

Die notwendige Inszenierung von Darstellern und Kamera in Echtzeit musste von Anfang an einstudiert werden, was nur durch viel gemeinsames Proben erreicht werden konnte. Ebenfalls mussten sich die zwei Tonangler ständig nah an der Handlung, aber zwingend hinter dem Kameramann befinden. Ein weiterer Kameraassistent (der den Kamerafokus steuert), ein Gripper (der sicherstellt, dass keiner stolpert und sich oder das teure Filmequipment verletzt) und ein Beleuchter (der mit einer Akkuleuchte dunkle Stellen dynamisch aufhellt) waren ebenfalls für die Dauer des Films hinter der Kamera. Diese Choreografie zwischen Schauspielern, Kamera, Licht und Ton musste auf das kleinste Detail abgestimmt sein, denn wenn auch nur für einen Augenblick ein Crewmitglied oder Mikrofon in das Kamerabild gerät, muss der Take abgebrochen werden. Die Vorbereitung kam beinahe einer Theaterprobe gleich.

Die Tatsache, dass der Film in den Proben schon mehrmals vorabgedreht wird, birgt den Vorteil, dass jedes Produktionsmitglied wesentlich mehr technische Übung bekam als bei einem normalen Kurzfilm, wo sich das Team meist nur in den finalen Drehtagen wirklich einspielt.

Diese hohe Abhängigkeit und Interaktion zwischen den Abteilungen förderte das Teambuilding enorm. Des Weiteren trug sie dazu bei, den Produktionsteilnehmern wertvolle Erfahrungen in Verantwortung und Vertrauen zu vermitteln.Nach zwei erfolgreichem Drehnächten sowie zeitintensiver Postproduktion im Tonstudio wurde „Overrun“ hochschulintern auf der Media Night präsentiert.

Nun geht es mit der Festivalauswertung weiter, um ein größeres, hoffentlich internationales Publikum mit diesem Film zu erreichen.

Wir bedanken uns ganz herzlich für die Unterstützung unseres Projektes durch die Freunde und Förderer der HdM e. V.

 

Autor und Fotos: Joshua Neubert